Wir befragten Dr. Kai Rufmann, einen erfahrenen Kardiologen und Herzspezialisten. Er hat sich in den letzten Jahren mit unterschiedlichsten Therapie- und Behandlungsmethoden beschäftigt, bis er fündig wurde.

Wer für einen echten Herzenswunsch brennt, lässt sich nicht bremsen. Dr. Kai Ruffmann, erfahrener Kardiologe und Herzspezialist, steht Neuem schon immer offen und kritisch gegenüber. Er interessiert sich für alles rund ums Herz, dem zentralen Organ unseres Körpers. So hat er sich in den letzten Jahren mit unterschiedlichsten Therapie- und Behandlungsmethoden beschäftigt, bis er fündig wurde. Heute kämpft der Mediziner für die EECP-Therapie, eine sanfte Behandlungsform, die vielen Herzkranken eine OP ersparen kann.

Sie sind Kardiologe. Warum haben Sie sich für dieses Spezialgebiet entschieden?

Dr. Ruffmann:Diese Entscheidung ist nun 35 Jahre her. Ich war Technik verliebt, neugierig und hatte gerade meine Doktorarbeit in der Kreislaufphysiologie geschrieben. Mich begeisterte dieses Fach, mit seinen genauen Untersuchungsmethoden, mit seinen Normen, die auf der ganzen Welt ihre Gültigkeit hatten. Es war damals ja auch die Zeit der Herzkatheter-Diagnostik. Mit kleinen Plastikschläuchen drang man immer mehr in die Geheimnisse des Herzens ein. Im Laufe der Jahre scheint mir eher bemerkenswert, dass dieses wunderbare Organ seine Faszination nie verloren hat, obwohl der Blickwinkel gar nicht aufhört sich zu ändern.

Was fasziniert Sie an dem Organ Herz?

Dr. Ruffmann:Das Herz ist erstaunlich leistungsfähig. Es läuft viele Jahrzehnte ohne Wartung oder Reparatur und braucht dabei keinerlei Pausen. Es ist aber auch viel mehr als eine Pumpe. Es ist das Zentrum unserer emotionalen Intelligenz. Das Aufeinandertreffen dieser Hochleistungspumpe einerseits mit ihrer unfassbaren mechanischen und elektrischen Präzision und der Fähigkeit des Herzens andererseits, auch noch der kleinsten Gefühlsänderung durch die Änderung des Herzschlages Ausdruck zu verleihen, das rückt dieses Organ in das Zentrum zwischen Intellekt und Emotion, abstrakter Überlegung und Gefühl.
Wenn hier einmal etwas aus dem Ruder läuft, hat der Kardiologe heute viele diagnostische und therapeutische Möglichkeiten.

Welche Möglichkeiten meinen Sie?

Dr. Ruffmann:Bei der Diagnostik denke ich an verschiedene EKG Verfahren und den Siegeszug der Ultraschalldiagnostik in der Kardiologie, natürlich neben Kernspintomographie des Herzens und der allmählich in die Jahre gekommenen Herzkatheter-Diagnostik. Aber auch hinsichtlich der Therapie hat sich vieles getan. Eine immer aufwändigere Technik gestattet die Implantation von Stents, die Durchführung von Ablationen bei Herzrhythmusstörungen, Herzoperationen mit immer weniger Belastung für den Patienten, ausgefeilte Schrittmacher, die den natürlichen Herzschlag nachmachen, Einpflanzung von Elektroschock-Geräten, in einigen Fällen die Herztransplantation

Gehen die Menschen mit der Diagnose „Herzerkrankung“ im 21. Jahrhundert anders um als früher?

Dr. Ruffmann:Die Patienten sind heute besser informiert. Oft bringen sie Zeitungsausschnitte oder Ergebnisse ihrer eigenen Internetrecherchen mit in die Praxis. Das erleichtert das Arzt-Patientengespräch, da man zunehmend eine gemeinsame Sprache spricht. Manchmal muss man als Arzt natürlich auch irrige Vorstellungen zurechtrücken, weil einige Informationen nicht oder nur teilweise verstanden worden sind. Immer mehr entwickelt sich jedoch ein mündiger Patient – mit allen Vor-und Nachteilen.

Welches sind die Krankheitsbilder, mit denen Sie es am häufigsten zu tun haben?

Dr. Ruffmann:Das ist ganz sicherlich die koronare Herzkrankheit, also die Durchblutungsstörung des Herzmuskels mit all ihren zum Teil katastrophalen Folgen, zum anderen auch das zunehmend häufiger werdende Vorhofflimmern.

Was versteht man unter „Koronarer Herzkrankheit“ und wie sieht das Krankheitsbild aus?

Dr. Ruffmann:Bei der koronaren Herzkrankheit handelt es sich um eine chronische Entzündung der Wand der Koronararterien. Eine lebenslange Erkrankung, die ca. um das 25. Lebensjahr in das Leben der Betroffenen tritt, und diese bis zum Tode begleitet. Ein Herzinfarkt oder eine Episode schwerer Herzschmerzen, häufig jenseits des 60. Lebensjahres, beendet dann eine 35-jährige beschwerdefreie Phase, die therapeutisch nicht genutzt wurde, weil Arzt und Patient nicht wussten, dass sie/er betroffen war. Der Herzinfarkt oder der Eingriff am Herzen kennzeichnet also nicht den Beginn der Erkrankung. Es ist vielmehr so, als ob ein Eisberg, der bislang unter der Wasseroberfläche verborgen war, die Spitze seines riesigen Körpers aus dem Wasser hebt. Und mit einem erfolgreichen Eingriff am Herzen wird die Coronare Herzkrankheit nicht geheilt!

Ist die Erkrankung nur ein Problem unserer Industriestaaten oder weltweit?

Dr. Ruffmann:Die Koronare Herzkrankheit ist ein weltweites Problem und steht in der Statistik der WHO (Weltgesundheitsorganisation) an erster Stelle der Todesursachen, noch vor Tumorerkrankungen. Mit dem Export unseres westlichen Lebensstils wird sie in immer mehr Länder rund um den Globus exportiert.

Wie und mit welchem Erfolg begegnet die Schulmedizin dieser Krankheit? Können Sie uns ein paar Zahlen nennen?

Dr. Ruffmann: Der Einsatz zur Bekämpfung dieser tödlichen Erkrankung ist in Deutschland beträchtlich. Laut Bruckenberger Report, inzwischen als jährliche Statistik der Deutschen Herzstiftung fortgeführt,arbeiteten 2013 ca. 5000 Kardiologen und Herzchirurgen in Krankenhäusern und freien Praxen. Jährlich werden hierzulande ca. 880.000 Herzkatheter-Untersuchungen, 345.000 Koronardilatationen und 160.000 Herzoperationen durchgeführt. Auch wenn die Anzahl der Herzinfarkte in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, ereignen sich in Deutschland 207.000 Herzinfarkte pro Jahr.

Konnte man durch diesen beträchtlichen Aufwand Todesfälle vermeiden?

Dr. Ruffmann:Die Infarktsterblichkeit ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Trotzdem versterben jährlich 20.000 Menschen am Infarkt. Der Rückgang der Infarktsterblichkeit ist ein Siegeszug der modernen Invasivkardiologie, allen voran der Aufdehnung von sonst tödlichen Gefäßverschlüssen beim akuten Herzinfarkt.

Konnte bei Koronarerkrankungen ebenfalls ein Rückgang beobachtet werden?

Dr. Ruffmann: Nein, ein vergleichbarer Rückgang ist nicht zu beobachten, obwohl die Ursachen bekannt sind. Man bewirbt flächendeckend die Senkung des Cholesterins, die Vermeidung von Nikotin, rät zu mehr Bewegung und zum Abbau von Stress. Diese Empfehlungen richten sich jedoch ans Kollektiv. Sie fußen auf statistischen Überlegungen. Leider entbehren sie der persönlichen Zielsetzung und auch der Erfolgskontrolle im Einzelfall.

Und wie sind die Heilungserfolges nach Herzkatheter und Coronardilatation?

Dr. Ruffmann:Aus einer Studie zitiert im renommierten New England Journal of Medicine 2011 geht hervor, dass sich innerhalb von nur 3 Jahren bei 20% der Patienten mit akutem Herzinfarkt, die mit Herzkatheter und Coronardilatation behandelt wurden, erneut ein Herzinfarkt oder ein schwerer Angina pectoris Zustand ereignet – was dann wiederum zu einer Herzkatheter-Untersuchung führt. Die Zahlen decken sich überraschend mit der gerade veröffentlichten Studie der Barmer Ersatzkasse, die ebenfalls von erneuten Eingriffen am Herzen bei etwa 20% der Betroffenen, allerdings in nur 1 Jahr, in Deutschland spricht. In der amerikanischen Studie handelte es sich zu etwa gleichen Teilen um eine Einengung der ursprünglich aufgedehnten Stelle oder um eine neue Einengung an einer anderen Stelle. Gerade dies belegt, dass es sich um eine Erkrankung des gesamten Koronarsystems handelt, dass diese Erkrankung uns weiterhin begleitet und auch durch einen zunächst erfolgreichen Eingriff am Herzen nicht aus der Welt geschafft wird.

Was wird hier in Deutschland den Patienten zur Nachbehandlung vorgeschlagen?

Dr. Ruffmann:Eine Rehabilitation nach durchgeführter Koronardilatation ist hierzulande nicht mehr ohne weiteres üblich, es sei denn – es hat sich um einen Herzinfarkt gehandelt. Die generell empfohlenen Maßnahmen in der so genannten Sekundärprävention (also nach bereits erfolgtem Infarkt) entsprechen denen der nicht wirklich erfolgreichen Primärprävention (also von Gefährdeten vor einem Infarkt). Man rät zur Gewichtsreduktion, empfiehlt mehr Bewegung und Stressvermeidung

Es geschieht also mehr oder weniger NICHTS?

Dr. Ruffmann:So könnte man es sehen. Man wartet bei dieser chronischen Erkrankung der Arterienwand ab, ist erneut ein akutes Stadium eintritt. Dann hilft man den Betroffenen mit den Mitteln der Intensivmedizin. Die engste Stelle wird erneut aufgedehnt, damit das Blut wieder gut fließen kann. Gegen die eigentliche Erkrankung werden kaum Maßnahmen ergriffen. Mehrfach notwendige Eingriffe bei einem Patienten sind da keine Seltenheit

Was tun Sie in diesen Fällen der Arterienverstopfung und wie kann den Patienten die von Ihnen auf den Schild gehobene EECP-Therapie helfen? Was bewirkt sie genau?

Dr. Ruffmann:Ich wende die EECP-Therapie an. EECP ist die Abkürzung für Enhanced External CounterPulsation, übersetzt “pulssynchrone externe Gegenpulsation“. Dabei handelt es sich um eine ambulante Therapieform, also ohne Aufnahme im Krankenhaus, eine medizinisch logische und ganzheitliche Behandlungsmethode, die leider in Deutschland weitgehend unbekannt ist.

Das gesundmachende Prinzip ist die Erhöhung der intravasalen Scheerspannung. Die pulsierende Durchströmung der Koronararterien wird übersetzt in eine Stoffwechseländerung der Koronararterienwand – und zwar in allen Abschnitten der Koronararterien, bis in ihre feinsten Verästelungen. Die Fachleute reden von Mechanotransduktion. Hier kommt es zu einer ganzen Kaskade von biochemischen Veränderungen in der Gefäßwand, wie z.B. zu einer Erhöhung der gefäßerweiternden NO-Produktion und zu einem Rückgang von Entzündungsstoffen. Neben der Weitung von Einengungen der Koronararterien kommt es um Gefäßverschlüsse herum zur Ausbildung von neuen Gefäßen, zur Arteriogenese. Kleine bereits angelegte Gefäße erhalten einen Muskelmantel und weiten sich, bis sie die verschlossenen Gefäße ersetzen können.

Das ist ja eine verblüffende Wirkung. Das Blut sucht sich also anstelle der verstopften Arterien eine Alternativroute? Gibt es schon Nachweise für diesen Wirkmechanismus?

Dr. Ruffmann:Sicher! Das von Professor Schaper im Tiermodell gefundene Prinzip der Arteriogenese hat sich bei den EECP Patienten bestätigt. Erreicht wird eine nichtinvasive Erneuerung der Herzmuskeldurchblutung, die auch “biologischer Bypass “ genannt wird und so manchen Eingriff am Herzen überflüssig machen könnte. Viele Durchblutungsstörungen des Herzens können so behandelt werden.

Zahlreiche, internationale Fallberichte und auch einige Studien haben die Wirksamkeit der EECP-Therapie nachgewiesen. Die größten Studien sind die MUST-EECP Studie und die Beobachtungen des IEPR Register der Universität Pitsburgh in den USA, wo alle behandelten Fälle über einige Jahre gesammelt und weiterverfolgt wurden. Leider ist die Studienlage dieser weltweit angewandten Therapie immer noch dürftig und entspricht nicht den in Deutschland erwarteten Standards.

Wie hoch sind Ihrer Erfahrung nach die Erfolge der EECP-Therapie?

Dr. Ruffmann:Ich konnte beobachten, dass 90% der von mir Behandelten 1 Jahr ereignisfrei leben konnten. Systematische Untersuchungen über diesen Zeitraum hinaus habe ich jedoch nicht durchgeführt. Die erwähnte Universität Pitsburgh spricht von einem ereignisfreien Überleben von 80% der Patienten über 5 Jahre. Die Belastbarkeit der Patienten verbessert sich, sie brauchen weniger Medikamente und beschreiben die EECP-Therapie als „ihren Weg zurück in ein beschwerdefreies Leben“.

Ist die Therapie in allen Fällen wirksam oder gibt es Krankheitsbilder, wo sie nicht zum Einsatz kommen sollte?

Dr. Ruffmann:Das Vorhandensein einer schwerwiegenden Aortenklappen-Undichtigkeit (Aorteninsuffizienz >II) und das Vorhandensein eines Bauchaorten-Aneurysma schließen die Anwendung dieser Therapie aus, ebenso eine akute Thrombose der Beinvenen und Beckenvenen und auch ein Hochdruck in der Lungenschlagader, etwa nach durchgemachter Lungenembolie.

Wird die Intensivmedizin nach erfolgreicher EECP-Therapie überflüssig?

Dr. Ruffmann:Ganz sicher: Nein! Auf die therapeutischen Möglichkeiten der Invasivkardiologie werden auch erfolgreich behandelte EECP Patienten in Zukunft nicht immer verzichten können. Man sollte die EECP-Therapie aber als mögliche Bereicherung sehen. Jedes ereignisfreie Jahr bedeutet für Herzkranke mehr Lebensqualität und – durch den Rückgang krankheitsbedingter Kosten – ein Plus für die Gemeinschaft der Versicherten.

Was raten Sie uns, um „herzgesund“ zu leben? Wie sollten wir alle vorbeugen?

Dr. Ruffmann:Nun ja, was wir Mediziner wohl alle raten: Eine ausgewogene, vitaminreiche und möglichst naturbelassene Ernährung. Dabei sollte man nicht mehr zu sich nehmen, als auch wieder verbraucht werden kann, damit wir alle unser Idealgewicht erreichen und halten. Bewegung sollte immer ein fester Bestandteil des Tagesablaufes sein. Ich wünsche uns allen mehr Gelassenheit!

Weitere Informationen zur EECP-Therapie finden sie unter:
www.dr-ruffmann.de
*Der Abdruck ist frei. Wir bitten um ein Belegexemplar.
*Literatur beim Verfasser


Kurzprofil – Vita

Dr. med. Kai Ruffmann, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, wurde am 21. Juli 1949 in Hamburg geboren.

Der junge Ruffmann hatte ganz eigene Träume. Er wollte etwas erleben und ging im Alter von 17 Jahren mit der Marine auf hohe See. Als Marineoffizier begann er dann 4 Jahre später das Studium der Elektrotechnik und kam darüber an die Medizin. Nach dem Grundstudium der Medizin in Heidelberg entschied er sich für seine Ausbildung zum Kardiologen, die er an den Universitätskliniken Heidelberg und Zürich absolvierte.

Sein Weg führte ihn anschließend ins Städtische Klinikum Karlsruhe, als Leitender Oberarzt der Kardiologie, bis er sich schließlich 1992 mit anderen Kollegen und eigenem  Herzkatheterlabor in Karlsruhe niederließ. Seit seinem Ausscheiden 2008 führt er eine Praxis in Baden-Baden, die für schonende nicht invasive Kardiologie steht.

Sein Motto nach Ursula Lehr: „Der gute Arzt spricht die Sprache des Patienten.“

Mit über 30 Jahren Erfahrung und Expertenwissen vertritt der Mediziner einen ganzheitlichen Ansatz in der Inneren Medizin und Kardiologie unter dem Motto: Prävention statt Operation

 



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